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Kultur
Autor: Claudia Michaelis

Mit seiner starken Soul-Stimme unter der Schiebermütze nahm Max Mutzke auf der Halepaghen-Bühne die begeisterten Zuhörer am Sonnabendabend mit auf eine emotionale musikalische Tour. Der Sänger begeisterte die 600 anwesenden Fans aller Altersklassen vom ersten Augenblick an.

Keine fünf Minuten braucht er, bis es sein Publikum in der voll besetzten Halepaghen-Aula von den Sitzen reißt. Die Band hat gerade die ersten Takte gespielt, da springt der schwarz gekleidete Mann mit der Schiebermütze und den roten Hosenträgern auf die Bühne, und feuert die Zuhörer mit dem Song „Unsere Nacht“ an, mit ihm zu feiern und nicht still sitzen zu bleiben – und sie tun es: Schon beim dritten Song stehen, oder besser, swingen die Menschen zwischen den Stuhlreihen.

Dieser Mann, der da so offensiv auf die gut 600 Zuhörer vor ihm zuspringt, die am Sonnabend zum Konzert in Buxtehude gekommen sind, ist derselbe, der im Mai 2004 beim Grand Prix in Istanbul mit geschlossenen Augen auf einem Hocker saß, das Mikro umschlungen, und sanft, vielleicht zu sanft, Deutschland beim Eurovision Song Contest vertrat. Es ist derselbe Max Mutzke, so authentisch und sympathisch wie ihn die Welt damals kennengelernt hat, doch er ist lauter und offensiver geworden im Lauf seiner zwölfjährigen Karriere.

Bemerkenswert inhomogenes Publikum

Locker und mit einer offenkundigen unbändigen Lust, das Leben in all seinen Erscheinungsformen – in welcher Form auch immer – musikalisch zu durchdringen, kommt Mutzke bei seinem Auftritt in Buxtehude in Bestform daher. Seine Fans – ein bemerkenswert inhomogenes Publikum von der ganzen Familie über die gut gekleidete Single-Dame, den Öko in Outdoor-Klamotten, Männer im besten Alter bis zum rüstigen Pensionär – kennt seine Lieder bis in die einzelne Textzeile: Sie singen laut mit, wenn Mutzke sie auffordert, und er tut es oft. So geht es ohne langen Anlauf auf eine gut zweistündige Achterbahn der Gefühle quer durch die musikalischen Genres.

„Ich hoffe so sehr, dass alle, die heute hier sind, dieses Gefühl kennen, das wir in unserem nächsten Song beschreiben“, sagt er, und stimmt die Zuhörer auf seinen Song „Magisch“ ein – ein Lied über jene seltsam gemischten Gefühle, die einen befallen, wenn man denkt, dass es Liebe ist. Mit seinem ganz eigenen Stilmix aus Pop, Soul, Funk und Jazz, dargeboten abwechselnd in Deutsch und Englisch, geht er dem Publikum unter die Haut. Mutzke scheut keine Kontraste, keine raschen Wechsel. So wechselvoll wie das Leben ist sein Programm: Eben noch hämmernd und bis zum letzten Akkord den Ton minutenlang haltend bis zur Schmerzgrenze, ist er im nächsten Augenblick gefühlvoll in den leisen Tönen wieder der Max vom Grand Prix mit den geschlossenen Augen auf dem Hocker.

Tabu-Themen sind kein Tabu

Immer wieder lädt er die Zuhörer ein, seine Texte, die allerdings zeitweilig im überlauten Wummern der Bässe untergehen, zu verstehen, sie mit ihm zu fühlen. Selbst vor Tabu-Themen schreckt er nicht zurück. Den Tod seiner Mutter verarbeitet Mutzke in sensiblen Songs ebenso wie die Auseinandersetzung mit dem alternden Vater. Mit zarter Stimme haucht er Zweifel und Sehnsüchte ins Mikro und schafft es, zu berühren, ohne in Kitsch und Klischees abzugleiten.

Wie sehr er die Zuhörer bei sich hat, zeigen ihre Reaktionen: Eben noch brüllt die Halle mit ihm den „unfassbar sexy song“ „Schwarz auf Weiß“, um beim Lied über den Vater so zu erstarren, dass in der Halle für Sekunden totale Stille herrscht.

Mit „Catch me if you can“ versuchen sich Mutzke und seine vierköpfige Band monoPunks nach gut zwei Stunden emotionaler und körperlicher nonstop Poweraktionvon den Buxtehudern zu verabschieden. Doch die lassen ihn nicht so einfach gehen, holen den 35-jährigen Schwarzwälder mit minutenlangem Applaus mehrmals auf die Bühne zurück. Zum Abschied führt Mutzke die Fans noch einmal zurück ins Jahr 2004. „Wenn ihr den Song erkennt, fänd’ ich’s geil, wenn ihr das macht, was ihr schon den ganzen Abend macht: Ausrasten!“ ruft er in die Menge, und natürlich erkennen sie den Song, mit dem er vor zwölf Jahren in Istanbul die große Bühne betreten hat. Nach einem gemeinsamen „Can’t wait until tonight“ strömen Hunderte zufriedene Mutzke-Fans stockheiser, aber swingend ins Dunkel der Nacht.


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